Hilfstransport von Lübeck in das polnisch- belarussische Grenzgebiet

Zu zweit fahren wir mit einem kleinen Transporter und den Spenden der Humanistischen Union Lübeck, der Lübecker Flüchtlingshilfe Schuppen F ,„wir packen’s an e.V.“ Brandenburg  und Slubfurt e.V. Frankfurt a. Oder, Richtung polnisch, belarussische Grenze.

In unserem Hotel in Bialystok treffen wir auf Bereitschaftspolizei, die dort auch übernachtet und mit fünf vergitterten Kleinbussen auf ihren Einsatz wartet.

Am nächsten Morgen geht es mit unserem Auto auf kleinen, vereisten Straßen, gesäumt von                 

undurchdringlichem Wald und Moorgebiet weiter, bis zu einem kleinen Dorf, 3 km vor der Sperrzone an der Grenze, im Naturschutzgebiet. Dort sollen die Spenden übergeben werden: Schlafsäcke, warme Kleidung, Mobilephone und Lebensmittel.

Doch selbst an den kleinen Straßen befinden sich Polizeikontrollen und immer wieder kommen uns Militärfahrzeuge entgegen. Kurz vor unserem Ziel sehen wir 7 Polizeiwagen, besetzt mit Polizist:innen in Zivil. Das Holzhaus vor dem Sperrgebiet erreichen wir dennoch unbehelligt.

Nach dem Ausladen und Coronatest können wir am warmen Ofen sitzend mit den gut organisierten, ehrenamtlichen Helfer:innen sprechen. Eine Sanitäterin, ein Arzt, eine Bankangestellte, ein Fotograf Student:innen, Jurist:innen. Gerade sind wieder zwei von ihnen zur Suche in den Wald des Sperrgebiets aufgebrochen.

Heute Abend werden außerdem die mitgebrachten Schlafsäcke, Jacken und Handschuhe und weiteren Spenden aus Lübeck und Brandenburg an die im Sperrgebiet wohnenden Helfer:innen zur Weitergabe an Geflüchtete verteilt.

In dieser Region gibt es viel Rückhalt aus der Bevölkerung. Es leben hier viele orthodoxe Christ:innen, die polnische Regierung ist hingegen bekanntlich katholisch. Widerstand hat hier Tradition. Daher sind hier nicht wenige Häuser durch ein grünes Licht gekennzeichnet, damit die Geflüchteten wissen, dass sie dort Hilfe bekommen. 

Doch wie in Bosnien und Ungarn ist auch hier Helfen verboten! In dem Demarkationsstreifen von drei Kilometern entlang der Grenze zu Belarus dürfen keine Ärzte und Ärztinnen, keine Hilfsorganisationen Geflüchtete, die durch den Wald und das Sumpfgebiet irren, versorgen oder behandeln. Für die unterstützenden Einwohner:innen des Sperrgebiets und andere Helfenden gibt es ein Jurist:innennetzwerk. Vor drei Wochen durchsuchten 20 Militärs ein „grünes“ Haus ohne Geflüchtete zu finden.

Foto: Soja Photography

Seit einer Woche kommen nur noch wenige Geflüchtete. Es sind inzwischen minus 5 bis minus 8 Grad und es wird immer schwieriger, draußen zu überleben. Und wahrscheinlich, so vermuten die Helfer:innen, wird die Route vom belorussischen Militär Richtung Litauen geändert, denn die polnische Grenze ist mit ca. 20.000 Soldat:innen, Polizei,  Ranger:innen und Freiwilligen  „gut“ gesichert. 

Hinzu kommen noch Ranger:innen, aus den Naturschutzgebieten. Besonders gefährlich sind die freiwilligen Volontär:innen, die sich schon 2014 als Söldner:innen in der Auseinandersetzung mit der Ukraine „verdient“ gemacht haben. Nach fünf Tagen Training werden diese Freiwilligen mit Uniform und Maschinenpistole sowie Wärmebildgeräten an die Grenze geschickt. „Das sind meist Rechtsradikale, die sind auch für Flüchtlingshelfer:innen gefährlich. Hier haben sie uns die Autoscheiben eingeschlagen und Reifen zerstochen.“ sagt eine Helferin.

Der Helfer Juri ist schon seit Oktober an der Grenze aktiv. Er hat einen Geflüchteten versorgt, der schon 22 Mal von den polnischen „Grenzschützern“ zurück zur belarussische Grenze geschickt und dann wieder von Belarus mit den Worten „geh nach Polen oder Du stirbst“ zurück gestoßen wurde.

Er berichtet auch von einer Mutter, deren Säugling an der Grenze in Berlarus starb, von Belarussen verscharrt wurde und die Frau zum Grenzübertritt gezwungen wurde.  Von den Geflüchteten erfuhr er, dass diese in Belarus 100 Euro zahlen müssen, um ein Handy aufzuladen, das zur Orientierung im Wald aber auch für die Kontaktierung mit Schleppern lebenswichtig ist. Schlepper:innen sind auch hier, wie inzwischen fast überall In Europa, wo legale Einreise, um Asyl zu beantragen, entgegen europäischem Recht, von jeweils nationalen Regierungen unmöglich gemacht wird, gut im Geschäft. An dieser Grenze gibt lang erprobte Strukturen des Waffen-, Drogen- und Menschen-handels.

Balkanroute

Hilfstransport für Geflüchtete an der Balkanroute

Die Lübecker Humanistische Union ist Bündnispartner einer Initiative des Aachener Netzwerks für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit e.V., die Geflüchtete in Bosnien durch Hilfsgüter und politische Arbeit unterstützt. Mit mehreren Geld- und Sachspenden konnten wir helfen, Hilfslieferungen mit warmer Kleidung und Geld für Medikamente und Lebensmittel zu den in katastrophalen und prekären Verhältnissen fest sitzenden Geflüchteten zu bringen.
Im Februar 2020 war Helga Lenz persönlich vor Ort und hat darüber berichtet.

Geldspenden können wir nach wie vor gut gebrauchen und leiten sie unmittelbar weiter.
Bitte auf unser Konto mit Verwendungszweck „Balkanroute“:
Humanistische Union Lübeck, IBAN: DE79 4306 0967 2053 3955 00, GLS-Bank Bochum

Weitere Informationen sind auch auf der Webseite und der Facebook-Seite des Aachener Netzwerks zu finden.
Hier der Bihać-Blog des Aachener Netzwerks:

HELFEN AUCH SIE!

Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, dass geflüchtete Menschen ihre Rechte wahrnehmen können.
Spenden an die Humanistische Union – Beratung für Frauen, Familien und Jugendliche e.V. sind als Sonderausgabe steuerlich abzugsfähig.

Spenden per Banküberweisung bitte an folgendes Konto:

Humanistische Union Lübeck

IBAN:    DE79 4306 0967 2053 3955 00

GLS-Bank Bochum

Verwendungszweck: Bihac

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